Wer spielt mit dem Tod?
Diese Frage zieht sich wie ein dunkler Schatten durch Spiel der Toten von Simon Jaspersen – und genau sie hat mich beim Lesen nicht mehr losgelassen.
Berlin im Spätsommer. Vier Leichen treiben in der Spree. Kurz darauf wird eine junge Frau erstochen in ihrem Appartement aufgefunden. Als wäre das nicht schon grausam genug, ist der Tatort durch sensationsgierige Gaffer völlig verwüstet. Und dann sind da noch diese unheimlichen Stalking-Fälle, die die Stadt seit Wochen in Atem halten. Zufall? Oder Teil eines perfiden Spiels?
Der Thriller wirft uns mitten hinein in eine Stadt, die überfordert wirkt – genau wie ihre Ermittler.
Zwei Figuren, zwei Abgründe
Weil das LKA Berlin personell am Limit arbeitet, wird Jan Mossmann, ehemaliger Top-Ermittler, zurückgeholt. Ein Mann, der eigentlich längst aufgehört hat. Gezeichnet vom Tod seiner Frau, innerlich müde, aber mit einem Instinkt, der ihn nicht loslässt. Jan ist keine klassische Heldenfigur – und genau das macht ihn so glaubwürdig.
Parallel dazu lernen wir Jasmin Mobido kennen, Kommissaranwärterin in Kreuzberg. Ehrgeizig, fokussiert und bereit, sich in diesem Albtraum von Fällen zu beweisen. Die Dynamik zwischen Erfahrung und Neuanfang, zwischen Resignation und Aufbruch, funktioniert hier sehr gut und verleiht der Geschichte Tiefe.
Ein Spiel mit vielen Ebenen
Die Spur führt zur wohlhabenden Industriellenfamilie Roth und zu einer Privatklinik, in der offenbar ein Patient versteckt gehalten wird. Doch je tiefer Jan und Jasmin graben, desto klarer wird: Jemand zieht im Hintergrund die Fäden. Und dieser Jemand scheint Freude daran zu haben, Menschen wie Figuren auf einem Schachbrett zu bewegen.
Was mir besonders aufgefallen ist: Spiel der Toten ist kein Thriller, den man nebenbei lesen sollte. Die Kapitel sind nach Personen und Orten gegliedert. Das sorgt für Tempo und Perspektivwechsel, kann aber auch verwirrend werden, wenn man längere Pausen macht.
👉 Mein klarer Lesetipp: Dieses Buch wirkt am besten, wenn man es möglichst in einem Rutsch liest. So bleibt man im Flow und verliert nicht den Überblick darüber, wer welche Rolle spielt – und warum eine Figur plötzlich wieder wichtig wird.
Düster, urban, unbequem
Simon Jaspersen zeichnet ein Berlin, das rau, überfordert und beunruhigend real wirkt. Themen wie Voyeurismus, Sensationsgier, Machtmissbrauch und psychische Abgründe sind allgegenwärtig. Das Buch stellt keine einfachen Fragen – und liefert erst recht keine einfachen Antworten.
Für mich ist Spiel der Toten ein Thriller, der weniger auf schnelle Schockmomente setzt, sondern auf eine bedrückende Atmosphäre, psychologische Spannung und das Gefühl, dass hier etwas grundlegend aus dem Ruder läuft.
Fazit
Spiel der Toten ist ein komplexer, düsterer Berlin-Thriller, der Konzentration verlangt – sie aber auch belohnt. Wer gern tief in Ermittlungen eintaucht, Perspektiven wechselt und sich auf ein perfides Katz-und-Maus-Spiel einlässt, wird hier definitiv fündig.
Zum Schluss möchte ich mich herzlich bei Simon Jaspersen bedanken, der mir dieses Buch freundlicherweise als Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat. Danke für das Vertrauen – und für diesen spannenden Ausflug in die dunklen Ecken Berlins.
Interessiert euch das Buch? Dann schaut doch mal auf Amazon vorbei.*
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