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Interview mit Autor Uwe Kallin

Zusammenfassung:

  • Die Inspiration zum Schreiben kam durch die Faszination für Filme und die Struktur von Geschichten.
  • „Kopierfehler“ handelt von einem Mann, der in einem fremden Körper aufwacht und existenzielle Fragen erkundet.
  • Persönliche Erfahrungen fließen in die Geschichten ein, um glaubwürdige Emotionen darzustellen.
  • Schreibblockaden vermeidet der Autor durch vorheriges Plotten; Herausforderungen sucht er intuitiv zu lösen.
  • Der Autor arbeitet an zwei neuen Ideen: einer über Betrügereien in der Esoterik und einem Thriller über Trauma.

Die Kurzfassung kennst du jetzt – nun geht es ins Detail. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!

Was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, mit dem Schreiben zu beginnen?

Als Kind war ich ein ziemlicher Fernseh-Junkie und bin daher im Nachhinein ganz froh, dass es zu dieser Zeit nur 3 Programme gab, die nicht rund um die Uhr gesendet haben – auch wenn ich das damals natürlich ganz anders gesehen habe.
Aber die Filme und Serien haben die Faszination für gute Geschichten in mir geweckt.

Sehr viel später wollte ich dann wissen, warum mich manche Geschichten mehr faszinieren als andere und habe mich mit dem Aufbau und der Struktur von Drehbüchern beschäftigt. Dabei habe ich die Standard „How to …“ Werke durchgearbeitet. Irgendwann hatte ich so viel Wissen angesammelt, dass ich das unbedingt in einer eigenen Geschichte ausprobieren wollte. So entstand „Katzenjammer“, eine Sci Fi Comedy, die ich 2011 als e-Book über epubli im Selbstverlag veröffentlicht habe.
Einmal „Blut geleckt“, wollte ich mehr. Und so habe ich Kurse in kreativem Schreiben besucht. Das dort erworbene Know-how habe ich dann neben dem Job in weiteren Geschichten ausprobiert.

„Kopierfehler“ ist mein drittes Buch, für das ich sogar den Mentoren-Media-Verlag aus Ingelheim begeistern konnte, worüber ich sehr glücklich bin.
Im Juli 2026 wurde das Buch veröffentlicht.

Wie entsteht bei dir eine neue Geschichte – beginnt sie eher mit einer Idee, einer Figur oder einer bestimmten Szene?

Eine Geschichte beginnt bei mir mit einem Satz, einer Grundidee, aus der sich alles entwickelt. Bei „Kopierfehler“ lautete dieser Satz: „Ein Mann erwacht in einem fremden Körper und muss herausfinden, was mit ihm passiert ist.“

Aus so einer Grundidee entwickele ich dann Schritt für Schritt die ganze Geschichte, indem ich diesem Satz nach einem bestimmten System immer weiter ausbaue. Es entstehen vier mehr oder weniger separate Handlungsstränge.
Der erste Strang beschreibt die Geschichte meiner Hauptfigur, der zweite die Geschichte der Figur, die die Hauptfigur entscheidend beeinflusst. Der dritte Strang beschreibt die „Beziehungsgeschichte“ zwischen diesen beiden Figuren und der vierte beschreibt die äußere Geschichte aller Figuren, innerhalb der sich meine beiden Hauptcharaktere bewegen.

Am Ende „verwebe“ ich diese 4 Handlungsstränge wieder miteinander und erhalte so eine fertig geplottete komplexe Handlung.

Das klingt vielleicht erst einmal kompliziert, macht mir aber einen Heidenspaß und hilft, einen sehr klaren roten Faden zu haben, an dem ich mich beim Schreiben entlanghangeln kann.

Welche Rolle spielen persönliche Erfahrungen in deinen Büchern?

Ich glaube in jedem Buch steckt sehr viel persönliche Erfahrung vom Autor. Nur wenn wir unsere persönlichen Erfahrungen einbringen, können wir glaubwürdige Reaktionen und Empfindungen von Menschen darstellen, sonst bleibt die Geschichte hohl und leer.

Natürlich habe ich mir für den „Kopierfehler“ keinen Chip implantieren lassen, um diese Erfahrung aus persönlicher Erfahrung heraus darstellen zu können. So verrückt war nur Christian, der Gegenspieler von Albert im Buch. Aber das ist auch nur der äußere Teil der Geschichte, der „vierte Handlungsstrang“. Im Grunde geht es in „Kopierfehler“ um Fragen wie: Was macht mich wirklich aus? Was bleibt übrig, wenn man uns einfach so kopieren kann? Wer bin ich eigentlich?
Das sind grundlegende Fragen, mit denen sich vermutlich jeder einmal beschäftigt, wenn er durch äußere Einflüsse aus seiner Komfortzone herausgeholt wird.

Wie gehst du mit Schreibblockaden oder kreativen Tiefphasen um?

Eine richtige Schreibblockade hatte ich zum Glück noch nicht. An dieser Stelle hilft es vermutlich, dass ich meine Geschichten komplett plotte, bevor ich mit dem Schreiben beginne.

Natürlich stoße ich beim Plotten auch immer mal auf Probleme und Widerstände. Es fehlt etwas, das die Handlung voranbringt, oder die Geschichte will sich nicht so entwickeln, wie ich mir das am Anfang vorgestellt habe. Aber in diesem Stadium ist es noch sehr viel einfacher nach alternativen Wegen zu suchen und Teile umzustellen als später, wenn man schon tief im Text steckt.

Gibt es eine Figur aus deinem Werk, mit der du dich besonders verbunden fühlst – und warum?

In „Kopierfehler“ ist das Albert. Natürlich erst einmal, weil er meine Hauptfigur ist und ich mit ihm durch alle Höhen und Tiefen gegangen bin, die ich ihn habe durchmachen lassen.
Aber es ist auch die besondere Situation, in der er sich befindet. Mit ihm wird sehr übel umgegangen, er kennt zu Beginn noch nicht mal seinen Gegner und muss dann, wenn er das ganze Ausmaß seiner Situation begriffen hat, eine harte Entscheidung treffen. Das erfordert sehr viel Mut, den ich sehr bewundernswert finde. Davon würde ich mir gern eine Scheibe abschneiden.

Wie sieht dein typischer Schreiballtag aus? Hast du feste Routinen?

Da ich nach wie vor einem normalen Brotjob nachgehe und in einer ganz wundervollen Beziehung lebe, sind feste Routinen nicht immer machbar. Aber ich erfahre sehr viel Verständnis und Unterstützung und so versuche ich, in der Woche zwei bis drei Abend an meinen Texten zu arbeiten und mir am Wochenende oder freien Tagen immer mal wieder ein etwas größeres Zeitfenster zu schaffen.

Welche Autoren oder Werke haben deinen Schreibstil am meisten geprägt?

Ich finde Dan Brown hervorragend. Er schreibt sehr mitreißend, auch wenn es „nur“ die Übersetzung ist (an dieser Stelle ein sehr großes Lob an den Übersetzer Axel Merz). Als ich Illuminati zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich es kaum weglegen.
Auch Andreas Eschbach finde ich genial. Er hat großartige Ideen, in denen er aktuelle Themen konsequent weiterdenkt und daraus fantastische Geschichten baut.
„Views“ von Marc-Uwe Kling ist für mich ebenfalls ein sehr gelungenes Beispiel für einen außergewöhnlichen deutschen Thriller.

Was war die größte Herausforderung bei deinem bisherigen Projekt?

Während ich an „Kopierfehler“ arbeitete, wurde Elon Musks Idee bekannt, mit seinem Brainchip eine Verbindung zwischen einem Gehirn und dem Internet herzustellen. Ich hatte die „Befürchtung“, dass mich die Realität überholen könnte, bevor die Geschichte fertig ist.

Das ist zum Glück nicht passiert. Doch die Idee einer solchen Kopplung ist jetzt in der Welt und ich bin fest davon überzeugt, dass früher oder später irgendjemand diese gruselige Vorstellung realisieren wird. Wie gut oder schlecht das ist, werden wir dann sehen.

Welche Botschaft oder welches Gefühl möchtest du deinen Lesern mitgeben?

Erst einmal möchte ich natürlich, dass sich die Leser durch die Geschichte gut und spannend unterhalten fühlen.
Darüber hinaus hoffe ich, dass das Buch dazu anregt, über die Frage nachzudenken, was uns zu den Menschen macht, die wir sind.
Ich glaube, gerade in einer Zeit, in der wir durch KI vor einer riesigen Umwälzung in allen Bereichen des täglichen Lebens stehen, ist es besonders wichtig, uns unsere eigene Identität bewusst zu machen und uns nicht von einer vermeintlich allwissenden Technik einschüchtern zu lassen.

Woran arbeitest du aktuell – und worauf dürfen sich deine Leser in Zukunft freuen?

Aktuell arbeite ich an zwei Ideen. Eine Geschichte dreht sich um Betrügereien in der Esoterik-Szene und die zweite Geschichte ist ein Thriller, bei dem ein Trauma die treibende Kraft ist. Ich weiß momentan noch nicht genau, welche der beiden Geschichten als erste realisiert werden will.

Lieber Uwe,

vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses spannende Interview genommen hast. Besonders interessant waren deine Einblicke in die Entstehung von „Kopierfehler“, deinen strukturierten Schreibprozess und die Fragen rund um Identität, Technik und KI.

Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Buch und bin gespannt, welche deiner neuen Ideen als Nächstes Wirklichkeit wird.

Vielen Dank für das offene Gespräch und alles Gute für deinen weiteren Weg als Autor!

Hier geht es zum Buch „Kopierfehler“ von Autor Uwe Kallin*

Hier zur Homepage von Autor Uwe Kallin

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