Es gibt Bücher, die man schnell liest.
Und es gibt Bücher, die man bewusst langsam lesen möchte, weil man Angst hat, zwischen den Zeilen etwas Wertvolles zu übersehen.
„Die Weisheit der Esel – Ruhe finden in einer chaotischen Welt“ von Andy Merrifield gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Dieses Buch habe ich nicht verschlungen. Ich habe es genossen. Seite für Seite. Kapitel für Kapitel.
Und genau deshalb bekommt es von mir 10 von 10 Punkten.
Ein Esel als Lehrmeister
Andy Merrifield zieht sich aus seinem bisherigen Leben zurück und beginnt gemeinsam mit seinem Esel Gribouilleeine Wanderung durch die Auvergne.
Doch eigentlich ist diese Reise viel mehr als nur ein Fußmarsch.
Es ist eine Reise zu sich selbst.
Während Andy anfangs noch versucht, das Tempo vorzugeben, ist es ausgerechnet der Esel, der ihm zeigt, dass das Leben nicht ständig aus Eile, Termindruck und Leistungsdruck bestehen muss.
Gribouille sagt kein einziges Wort. Und dennoch lehrt er mehr als viele Menschen.
Geschichten über Esel – und über das Leben
Besonders gefallen hat mir die Art, wie Andy Merrifield seine Wanderung immer wieder mit Geschichten aus seinem eigenen Leben verbindet.
Dabei geht es erstaunlich oft um andere Esel.
Man merkt schnell, dass seine Faszination für diese Tiere ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
Immer wieder verweist er dabei auch auf bekannte Werke der Weltliteratur.
So begegnen wir unter anderem Platero aus „Platero und ich“ von Juan Ramón Jiménez.
Ebenso erinnert der Autor an Sancho Pansa und seinen treuen Esel aus Don Quijote.
Selbst der sprechende Esel des Bileam aus der Bibel findet seinen Platz.
Diese Verknüpfungen machen das Buch nicht nur abwechslungsreich, sondern zeigen auch, welche Bedeutung Esel seit Jahrhunderten in Literatur und Kultur besitzen.
Ein Buch, das auch traurig macht
So friedlich viele Kapitel wirken, so gibt es doch auch Momente, die nachdenklich stimmen.
Besonders berührt haben mich die Schilderungen über den Umgang mit Eseln in Ländern wie Marokko oder Ägypten. Der Autor beschreibt eindrucksvoll, welche Lasten viele dieser Tiere tagtäglich tragen müssen und wie selbstverständlich sie oft Leid ertragen.
Ein Satz ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.
Auf Seite 105 schreibt Andy Merrifield:
„Bei einem Esel erkennt selbst ein Tierarzt oft nur schwer, dass ihm etwas fehlt.“
Dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Esel zeigen Schmerzen oft kaum. Sie ertragen vieles still. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ihr Leid so häufig übersehen wird.
Warum ich dieses Buch so gerne gelesen habe
Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich Esel sehr liebe.
Vielleicht hat mich dieses Buch deshalb besonders angesprochen. Ich habe es diesmal ganz bewusst langsam gelesen. Nicht, weil es schwierig zu verstehen wäre. Sondern weil ich keine der Geschichten, Gedanken oder Beobachtungen einfach überlesen wollte. Dieses Buch lädt nicht zum schnellen Konsumieren ein. Es lädt zum Innehalten ein.
Mehr als nur ein Tierbuch
Wer glaubt, dieses Buch sei nur etwas für Menschen, die Esel lieben, irrt sich.
Natürlich spielen Esel die Hauptrolle. Aber eigentlich erzählt Andy Merrifield etwas viel Größeres. Er schreibt über Entschleunigung. Über unsere hektische Gesellschaft. Über Geduld. Über Aufmerksamkeit. Und über die Frage, warum wir oft glauben, ständig schneller werden zu müssen.
Gribouille zeigt eine andere Antwort. Und vielleicht ist genau diese Antwort aktueller denn je.
Meine Bewertung: 10 von 10 Punkten
Für mich ist „Die Weisheit der Esel“ weit mehr als ein Sachbuch.
Es ist ein Buch über das Leben. Über Gelassenheit. Und über Tiere, die wir oft völlig unterschätzen.
Andy Merrifield verbindet persönliche Erlebnisse, Literatur, Geschichte und Philosophie auf eine Weise, die angenehm zu lesen ist und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.
Ich habe jede Seite genossen. Und genau deshalb vergebe ich 10 von 10 Punkten.
Fazit
„Die Weisheit der Esel“ ist ein außergewöhnliches Buch für alle, die Tiere lieben, gerne über das Leben nachdenken oder einfach einmal bewusst entschleunigen möchten.
Es zeigt eindrucksvoll, dass wir manchmal gerade von den stillsten Begleitern am meisten lernen können.
Und vielleicht sollten wir uns alle hin und wieder ein wenig mehr am Tempo eines Esels orientieren.
Nicht, weil wir langsamer sein müssen.
Sondern weil wir dadurch das Wesentliche wieder besser wahrnehmen.
Ein herzliches Dankeschön an den Nymphenburger Verlag, der mir „Die Weisheit der Esel – Ruhe finden in einer chaotischen Welt“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich weiß es sehr zu schätzen, durch Ihre Unterstützung immer wieder besondere Bücher entdecken zu dürfen – Bücher, die nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen.
Selbstverständlich hat die Bereitstellung des Rezensionsexemplars meine Bewertung in keiner Weise beeinflusst. Meine Rezension spiegelt ausschließlich meinen persönlichen Leseeindruck wider. In diesem Fall hat mich das Buch mit seiner Ruhe, seiner Menschlichkeit und seiner Wertschätzung für diese oft unterschätzten Tiere tief berührt. Vielen Dank für dieses besondere Leseerlebnis.
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*Siehe Impressum/Datenschutz
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