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Wenn Geld alles bestimmt – und Moral zur Randnotiz wird

2030
Kein fernes Zukunftsszenario, kein Science-Fiction-Spielplatz. In Die Herrschaft des Geldes von Geri G. fühlt sich dieses Jahr vielmehr an wie der logische nächste Schritt. Eine Welt, die nicht explodiert ist – sondern still und effizient verkauft wurde.

Regierungen existieren noch, ja. Aber sie verwalten nur noch. Die eigentliche Macht liegt woanders: bei Redstones, dem reichsten und einflussreichsten Konzern der Welt. Ein Global Player, der Märkte lenkt, Staaten beeinflusst und ganze Gesellschaften in Abhängigkeit hält. Geld ist hier kein Mittel mehr – es ist Gesetz.

Die Folgen sind unübersehbar: In vielen Ländern leben 99 % der Menschen in Armut. Umweltzerstörung ist allgegenwärtig und wird nicht mehr skandalisiert, sondern einkalkuliert. Aufstände flammen auf, werden niedergeschlagen, vergessen – ersetzt durch den nächsten wirtschaftlichen „Sachzwang“.

Journalismus als Risiko – Wahrheit als Bedrohung

Im Mittelpunkt stehen zwei Journalisten. Keine Rebellen, keine Idealisten mit erhobener Faust. Sondern Menschen, die einfach ihren Job machen – bis sie über etwas stolpern, das sie besser nicht gefunden hätten. Informationen, die Redstones schaden könnten. Und damit werden sie selbst zum Problem.

Gerade diese Perspektive macht den Roman so glaubwürdig. Die Herrschaft des Geldes erzählt nicht vom großen Umsturz, sondern vom schleichenden Druck eines Systems, das keinen offenen Feind braucht. Wer unbequem wird, verschwindet – wirtschaftlich, medial oder physisch. Wahrheit ist erlaubt, solange sie keine Konsequenzen hat.

Die beiden Protagonisten kämpfen nicht nur gegen einen Konzern, sondern gegen die eigene Ohnmacht. Gegen Zweifel. Gegen Angst. Gegen die Erkenntnis, dass Moral in dieser Welt keinen Marktwert besitzt.

Eine Dystopie ohne Sicherheitsnetz

Geri G. verzichtet bewusst auf Trost. Es gibt keine klare Trennung zwischen Gut und Böse, keine einfache Lösung, keinen garantierten Sieg. Stattdessen wird der Leser mit Fragen konfrontiert, die unangenehm nah an der Realität liegen:

  • Was bleibt von Demokratie, wenn Geld jede Entscheidung beeinflusst?
  • Wie frei sind Medien, wenn sie von Konzernen abhängig sind?
  • Wie viel Umweltzerstörung ist „akzeptabel“, solange der Profit stimmt?
  • Und ab welchem Punkt wird Widerstand nur noch Symbolik?

Die zerstörte Umwelt ist dabei kein dekorativer Hintergrund. Sie ist das Resultat eines Systems, das langfristige Schäden als kalkulierbaren Preis betrachtet. Verlassene Landstriche, verseuchte Gebiete und soziale Verelendung sind kein Ausnahmezustand mehr – sie sind Normalität.

Warum dieses Buch hängen bleibt

Die Herrschaft des Geldes liest sich nicht bequem. Und genau das ist seine Stärke. Der Roman zwingt dazu, hinzusehen, wo man vielleicht lieber wegschauen würde. Er überzeichnet nicht – er verdichtet. Und genau deshalb wirkt er so beunruhigend real.

Besonders überzeugend sind:

  • Die realistische Zukunftsvision, die erschreckend logisch wirkt
  • Die nüchterne Erzählweise, ohne Pathos oder Moralkeule
  • Der Fokus auf Journalismus und Macht, statt auf Action oder Heldentum
  • Die konsequente Atmosphäre, die keine falsche Hoffnung verkauft
  • Die gesellschaftliche Relevanz, die weit über die Handlung hinausgeht

Fazit

Mit Die Herrschaft des Geldes liefert Geri G. eine düstere, kluge und unbequeme Dystopie. Ein Roman über Macht und Abhängigkeit, über Kapital und Kontrollverlust – und über Menschen, die versuchen, in einem entmenschlichten System Haltung zu bewahren.

Kein Buch zum Abschalten.
Aber eines, das man nach dem Zuklappen nicht einfach weglegt.

Bewertung: 8 von 10
Dystopisch. Politisch. Erschreckend plausibel.

Interessiert euch das Buch? Dann schaut doch mal auf Amazon vorbei.*

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Published inBenjamins Blog - Buchempfehlungen
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