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Interview mit dem Autor Dominik Riedo

Zusammenfassung:

  • Dominik Riedo wurde durch das Lesen und das Werk von Arno Schmidt zum Schreiben inspiriert.
  • Neue Geschichten entstehen meist aus Ideen, während Figuren erst später hinzugefügt werden.
  • Persönliche Erfahrungen spielen eine große Rolle in Riedos Büchern, da er oft autobiografische Elemente einfließen lässt.
  • Sein typischer Schreiballtag hat sich verändert, er schreibt jetzt oft bis spät in die Nacht und hat einen flexibleren Arbeitsansatz.
  • Riedo plant zukünftige Publikationen, darunter eine Sammlung seiner Kolumnen und einen Roman über Gefühle der 1950er-Jahre.

Die Kurzfassung kennst du jetzt – nun geht es ins Detail. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!

Was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, mit dem Schreiben zu beginnen?

Ich bin sicher früh durch das Lesen (ab der dritten Grundschule intensiv) langsam an und in diese Kultur heran- bzw. hineingeführt worden. Es gibt aber einen bestimmten Moment, in dem ich wie angeworfen wusste – als Katholik, der ich damals noch war, oder auch als Joyce-Liebhaber, könnte ich es einen «Epiphanie»-Moment nennen –, dass ich unbedingt Schriftsteller werden wollte: Das war beim Lesen von «Schwarze Spiegel» (1951), ein Werk meines späteren Lieblingsautors Arno Schmidt, mit fünfzehn Jahren. Durch seine Sprache, nicht unbedingt die Story, spürte ich, was mit Sprache alles getan werden kann, es packte mich … und von da an war mein Berufswunsch mit einem Schlage klar. – Alles in allem ist es für mich, gerade in den letzten zwei Jahren, in denen ich sehr krank war, definitiv eine Berufung, nicht nur ein Beruf (ich habe zu Beginn übrigens von umgerechnet etwa 700 Euro im Monat gelebt, heutzutage sind es aber auch nicht mehr als circa 2000 Euro). Und selbst wenn ich bloß noch eine Woche zu leben hätte, würde ich bestimmt noch schreiben (falls die Schmerzen auszuhalten wären und mich die totale Müdigkeit nicht überrumpelte).

Wie entsteht bei dir eine neue Geschichte – beginnt sie eher mit einer Idee, einer Figur oder einer bestimmten Szene?

Meistens mit einer Idee, seltener auch mit einer bestimmten Szene. Figuren kommen zuletzt. Ja, der ganze Figurenkosmos kann sich manchmal noch ändern, wenn er nicht genau zur Geschichte passt. Ich sehe Abläufe also eher abstrakt, nicht bereits mit festen Figuren vor mir. So wie ich bei Wörtern teilweise auch nicht den Gegenstand vor mir sehe, sondern eher ein Verbindungsgeflecht der Sprache.

Welche Rolle spielen persönliche Erfahrungen in deinen Büchern?

Ich meine: eine große. Denn kann ich über etwas schreiben, das ich gar nicht kenne? Natürlich kann man abstrahieren, etwa, wenn ich einmal ein Kind war, ein Jugendlicher und ein Erwachsener – da kann ich es mir schon vorstellen, wie es im Alter sein könnte (wenn ich zusätzlich beobachte und Fragen stelle). Und da ich mich von sechzehn bis etwa mit zwanzig Jahren fast ausschließlich als Mann identifiziert habe, zuvor als eher geschlechtsloses Kind und inzwischen einfach als Mensch, kann ich mich auf der Verlängerungsachse dieser Gefühle irgendwie auch in eine Frau eindenken (wieder zusätzlich zu Beobachtungen und Fragen und durch das Lesen von Literatur, die von Frauen geschrieben worden ist).

Wie gehst du mit Schreibblockaden oder kreativen Tiefphasen um?

Bis vor zwei drei Jahren, als meine Gesundheit stark nachließ – ich hoffe, es wird jetzt wieder besser, ich war länger im Krankenhaus etc. –, habe ich es gemacht, wie viele Kolleginnen und Kollegen: Auch wenn dir scheinbar nichts einfällt, setz dich hin und versuche zu schreiben. Die Kreativität kommt dann schon. Und irgendetwas zum Erledigen gibt es immer (Mails, Post, Rechnungen, Telefonate, soziale Medien, Newsletter etc.). – Im Moment muss ich mich da jedoch wieder etwas hinzutasten.

Gibt es eine Figur aus deinem Werk, mit der du dich besonders verbunden fühlst – und warum?

Ja. Mit dem ICH in «Die Schere im Kopf» (2014). Es ist wohl – abgesehen vom Buch «Nur das Leben war dann anders …» (2015) über meinen pädophilen Vater (Achtung: nicht etwa eine naive Verteidigungsschrift!) – mein autobiographischstes Buch. Aber wie gesagt: Eigentlich wird alles Schreiben durch das Leben angeregt … oder die Lektüre.

Wie sieht dein typischer Schreiballtag aus?

Heutzutage etwas länger schlafen als früher … also um etwa acht oder halb neun Uhr aufstehen (früher um sieben). Danach möglichst früh nach dem Frühstück mit Berufsnebenarbeiten (eben: Mails etc.; siehe oben) beginnen. Nachmittags dann meist entweder Sport oder Haushaltsaufgaben, öfter auch Schreib-Notizen. Meine eigentliche Schreibzeit ist aber der frühe Abend und der Abend. Heute teilweise bis um Mitternacht. – Das war früher anders: Bis etwa 2023 habe ich vor allem morgens und nachmittags an Texten gearbeitet, unterbrochen von kleineren Erledigungen. Da versuche ich langsam wieder hinzukommen, aber ein starkes Müdigkeitssyndrom von einer Operation her hindert mich bis abends am klaren Denken.

Hast du feste Routinen?

Sonntags ist – außer bei Auftritten – immer arbeitsfrei. Das war auch früher so. Und während ich zuvor immer sitzend geschrieben habe, mache ich das heute teilweise auch liegend, umgeben vom Material, das ich benötige. Und ich verrate selten, woran ich gerade konkret arbeite.

Welche Autoren oder Werke haben deinen Schreibstil am meisten geprägt?

Neben Arno Schmidt vermutlich Carl Albert Loosli & Uwe Dick (ethisch), Wolf von Niebelschütz & Hans Wollschläger (bei den Essays), Karlheinz Deschner (durch seinen Einsatz für Tiere und gegen die Kirche) und als weiter Fixpunkt am Sternenhimmel James Joyce. Schließlich hat mir Carl Spitteler gezeigt, wie man sich als Autor in der Schweiz durchbringen kann. Doch entdecke ich in vielen Autorinnen und Autoren immer wieder einen neuen Teil, den ich in mir schon länger gespürt habe, aber noch nicht durch das Schreiben auslebte. Zudem mag ich als ganze Literaturepoche vor allem die Romantiker.

Was war die größte Herausforderung bei deinem bisherigen Projekt?

Meine Dissertation über acht Jahre (von 2004 bis 2012) dann doch noch fertigzustellen. Schreiben ist bei mir immer vor allem Fleiß. Ich habe Tausende Ideen (darum habe ich 2014 auch das Buch «Uns trägt das Angesungene. Mögliche Texte» veröffentlicht, in dem Hunderte Ideen sind, die ich nicht mehr werde ausführen können oder die mir entwachsen sind), muss sie aber für den Aufbau und das Gesamte eines Buches mühselig passend an- und einordnen.

Welche Botschaft oder welches Gefühl möchtest du deinen Lesern mitgeben?

Hüte dich vor Kitsch. Denn ist dein Leben erst mal verkitscht, sind auch deine Gefühle und Gedanken nurmehr lauer Brei. Man/Frau lese jeden Tag eine Seite bestbekömmlicher Literatur.

Woran arbeitest du aktuell – und worauf dürfen sich deine Leser in Zukunft freuen?

Im Moment noch an kleineren Dingen wie Kolumnen, Reden, Blogeinträgen (https://dominikriedo.blogspot.com), Leserbriefen oder eben auch Interviews. Aber bald soll eine Sammlung meiner Kolumnen und dann ein Band mit sämtlichen bisherigen und einigen neuen Erzählungen kommen. Das wird aber 2027 ff. Und in etwas fernerer Zukunft will ich einen Roman/eine Novelle über ein bestimmtes Gefühl der 1950er-Jahre schreiben.

Lieber Dominik,

vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses persönliche und offene Interview genommen hast. Deine Gedanken über das Schreiben als Berufung, den besonderen Umgang mit Sprache und die Einflüsse von Literatur auf dein Schaffen geben spannende Einblicke in deinen Weg als Schriftsteller.

Ich wünsche dir für deine kommenden Projekte viel kreative Kraft, Freude am Schreiben und vor allem alles Gute für deinen weiteren Weg.

Hier geht es zu Dominik Riedo´s Homepage und seinen Büchern

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