Zusammenfassung:
- Die Autorin wurde durch ihre lebhafte Fantasie und frühe Leseerfahrungen zum Schreiben inspiriert.
- Schreibblockaden meistert sie, indem sie Abstand gewinnt und ihre innere Haltung reflektiert.
- Persönliche Erfahrungen fließen in ihre Geschichten ein, jedoch vermeidet sie es bewusst, ihre eigene Meinung zu Themen wie der Corona-Pandemie einzubringen.
- Derzeit arbeitet die Autorin an einem Weihnachtsroman mit dem Titel ‚Der Waldrapp von St. Nikolaus‘ und plant, das Finale ihrer Becca-Brigg-Serie zu veröffentlichen.
- Sie möchte, dass ihre Leser Spannung erleben und gleichzeitig Denkanstöße zu ernsthaften Themen erhalten.
Die Kurzfassung kennst du jetzt – nun geht es ins Detail. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen!
Was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, mit dem Schreiben zu
beginnen?
Ich bin mit einer sehr lebhaften Fantasie ausgestattet. Bücher und Geschichten
begleiten mich Zeit meines Lebens. Erst lasen mir meine Eltern täglich vor,
dann schmökerte ich selbst gern und viel.
Bereits als Jugendliche habe ich Geschichten geschrieben und mich sogar an
einem ersten Buch versucht. Allerdings fehlten mir damals noch das nötige
Selbstvertrauen und die Ausdauer, es zu Ende zu bringen.
Der Wunsch, eigene Geschichten zu erzählen, war also schon sehr früh da. Ich
liebte es, Aufsätze in der Schule zu schreiben, und belegte in den höheren
Klassen einen Literaturgrundkurs.
Als dann während der Corona-Pandemie andere kreative Hobbys wie
Theaterspielen, Singen und Tanzen wegfielen, erinnerte ich mich wieder ans
Schreiben. Damit fiel schließlich der Startschuss für meine Becca-Brigg-Serie
und aus purem Spaß wurde Ernst.
Wie entsteht bei dir eine neue Geschichte – beginnt sie eher mit einer Idee, einer Figur oder einer bestimmten Szene?
Es sind vor allem die Ideen, die bei mir ständig hereinströmen – meistens
mehr als genug. Die eigentliche Kunst besteht für mich darin, herauszufinden,
welche davon wirklich eine ganze Geschichte tragen können und welche am
Ende doch nur schöne Luftschlösser bleiben.
Welche Rolle spielen persönliche Erfahrungen in deinen Büchern?
Persönliche Erfahrungen fließen durchaus in meine Bücher ein – sofern ich das
bewusst möchte.
Manchmal sind es nur kleine Splitter. Eine komplexe Handlung kann
beispielsweise aus einer Mischung aus tatsächlich Erlebtem und vollkommen
frei Erfundenem bestehen. Auch Figuren können einzelne Facetten meiner
eigenen Persönlichkeit tragen, zugleich aber auch Eigenschaften oder
Verhaltensweisen von Menschen, die mir im Laufe meines Lebens begegnet
sind oder die ich mir vorstelle.
Es gibt allerdings auch Themen, bei denen ich ganz bewusst darauf achte,
meine persönliche Haltung außen vor zu lassen. Ein Beispiel dafür ist die
Corona-Pandemie. Das Pandemiegeschehen bildet in mehreren meiner Romane
einen erkennbaren zeitgeschichtlichen Hintergrund; eine literarische
Auseinandersetzung mit einem kollektiven gesellschaftlichen Trauma. Dabei
war es mir wichtig, unterschiedliche Sichtweisen abzubilden und meine eigene
Bewertung der Geschehnisse hintanzustellen.
Wie gehst du mit Schreibblockaden oder kreativen Tiefphasen um?
Wir alle kennen Phasen im Leben, in denen äußere Belastungen viel Raum
einnehmen – etwa durch Verlust, Konflikte, Krankheit oder andere schwierige
Situationen. Wie bei allen anderen Berufstätigen bleibt auch eine Autorin
davon nicht unberührt. Ich bemühe mich in so einem Fall, einen Ruhepol zu
finden und mich von den Einflüssen zu lösen, die mich beeinträchtigen. Mir
hilft es, wieder bei mir selbst anzukommen, Abstand zu gewinnen und die
eigene Haltung zu überdenken. Kreativität kehrt von selbst zurück, wenn
wieder genügend innerer Raum dafür da ist.
Im Idealfall hilft mir das Schreiben sogar dabei, Krisen zu meistern, indem es
Abstand zu den Turbulenzen im Leben bietet.
Gibt es eine Figur aus deinem Werk, mit der du dich besonders
verbunden fühlst – und warum?
Ganz ehrlich: Nein!
Eine Mutter sollte schließlich keine Lieblinge haben. 😉
Spaß beiseite: Ich fühle mich tatsächlich mit meinem gesamten
Figurenensemble verbunden. Auch die Nebenfiguren sind gewissermaßen
meine „Babys“ und mir entsprechend lieb und teuer.
Eher könnte ich bestimmte Lieblingsszenen benennen – Szenen, die mir
besonders viel Freude beim Schreiben gemacht haben oder die mir aus
anderen Gründen im Gedächtnis geblieben sind.
Wie sieht dein typischer Schreiballtag aus? Hast du feste Routinen?
Und nochmals: Nein.
Da ich vom Schreiben nicht leben kann – nach vier Büchern wäre das auch
kaum realistisch –, gehe ich zusätzlich einem „normalen“ Brotjob nach.
Deshalb erlaube ich mir beim eigentlichen Schreiben gewisse Freiheiten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich nur dann als Autorin arbeite, wenn ich
gerade Lust dazu habe. Als Selfpublisherin kümmere ich mich um nahezu alles
selbst: Marketing, Vertrieb, Buchsatz, Covergestaltung und vieles mehr.
Manche dieser Aufgaben lassen sich nicht beliebig aufschieben. Ein gewisses
Maß an Disziplin und Organisation gehört deshalb durchaus dazu. Wie sichtbar
ein Buch überhaupt wird, hängt schließlich zu einem erheblichen Teil von
dieser Arbeit ab.
Das Schreiben selbst erzeugt allerdings einen gewissen Sog, dem ich mich oft
nur schwer entziehen kann. Da möchte man dranbleiben, eintauchen, alles
andere vergessen. Ein beinahe exzessives Erleben – sofern da nicht der lästige
Alltag wäre …
Welche Autoren oder Werke haben deinen Schreibstil am meistengeprägt?
Mein Schreibstil ist über die Jahre mein eigener geworden. Bewusste
stilistische Vorbilder habe ich nicht.
Geprägt hat mich eher die Art von Kriminalromanen, die ich selbst gern lese –
allen voran die Bücher von Val McDermid, Jo Nesbø und Henning Mankell.
Tatsächlich bin ich seit meiner Jugend Krimifan. Ich habe unzählige Krimis und
Thriller gelesen und ebenso viele Verfilmungen gesehen. Seit meinem
vierzehnten Lebensjahr gehört auch der sonntägliche „Tatort“ für mich zum
festen Ritual.
Was war die größte Herausforderung bei deinem bisherigen Projekt?
Die größte Herausforderung begann in dem Moment, als meine anfänglichen
Versuche, einen Verlag für meine Bücher zu gewinnen, scheiterten. Ich musste
lernen, mich als Selfpublisherin zu behaupten und mir Schritt für Schritt eine
eigene verlegerische Struktur aufzubauen.
Das bedeutete, eine für mich völlig neue Branche kennenzulernen, ihre Regeln
zu verstehen, Fallstricke zu erkennen und aus dem Nichts ein kleines
Unternehmen aufzubauen. Dazu kam die Entscheidung, eigenes Geld zu
investieren, ohne zu wissen, ob und wann sich dieser Einsatz auszahlen würde.
Rückblickend war genau das vermutlich der mutigste Teil des ganzen Projekts
und auch der Teil, auf den ich gerne verzichtet hätte.
Welche Botschaft oder welches Gefühl möchtest du deinen Lesern
mitgeben?
Tauchen Sie ein, verbringen Sie kurzweilige Stunden, gruseln Sie sich ein
bisschen, wenn es „hart“ wird, und leiden, lieben und lachen Sie mit den
Protagonisten.
Krimis leben von ihrer Spannung.
Dennoch sind im Subtext meiner Romane immer auch ernstere Themen
verwoben, die – so hoffe ich – diejenigen Leserinnen und Leser erreichen, die
mehr als reine Unterhaltung suchen. Wer beim Lesen Denkanstöße oder etwas
mehr Tiefe möchte, soll sie finden können. Das kann von den Erfahrungen
Betroffener einer Erkrankung über zwischenmenschliche Konflikte bis hin zu
politischen oder gesellschaftlichen Themen reichen.
Woran arbeitest du aktuell – und worauf dürfen sich deine Leser in
Zukunft freuen?
Seit einigen Wochen arbeite ich an einem neuen Manuskript mit dem
Arbeitstitel „Der Waldrapp von St. Nikolaus“ – einem Überlinger
Weihnachtsroman. Damit wage ich mich erstmals an ein anderes Genre und
schreibe keinen Krimi. Der Roman wird leiser als meine Krimis, bleibt aber
natürlich trotzdem eine Geschichte mit Spannung, besonderen Figuren und viel
regionalem Bezug. Der Erscheinungstermin ist allerdings noch nicht festgelegt.
Band 5 und damit der finale Abschluss der Becca-Brigg-Serie soll dann im
kommenden Jahr entstehen.
Liebe Karina,
vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses persönliche und spannende Interview genommen hast. Besonders interessant waren deine Einblicke in deinen Weg vom Schreiben aus Leidenschaft hin zur Selfpublisherin sowie in die Entstehung deiner Becca-Brigg-Serie.
Ich wünsche dir weiterhin viel Freude am Schreiben, zahlreiche kreative Ideen und viel Erfolg für alles, was auf deinem Weg als Autorin noch vor dir liegt.
Vielen Dank für das offene Gespräch und die interessanten Einblicke in deine Arbeit!
Hier geht es zu den Büchern und der Homepage von Autorin Karina Abrolatis
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