Zum Inhalt springen

Chiemsee-Gold – Wenn ein Buch nicht weiß, was es eigentlich sein will

Es gibt Bücher, bei denen man nach dem Zuschlagen genau weiß, was man gelesen hat.

Und dann gibt es Bücher wie „Chiemsee-Gold oder Die Grube der unschuldigen Kinder“ von Reiner Jansen, bei denen man sich fragt:

War das jetzt ein Krimi? Science Fiction? Satire? Gesellschaftskritik? Oder von allem ein bisschen – aber nichts davon wirklich konsequent?

Das klingt härter, als es vielleicht gemeint ist. Denn das Buch hat durchaus interessante Ideen. Aber am Ende bleibt für mich vor allem ein Gefühl zurück:

Hier wurde viel gewollt – aber nicht alles zusammengeführt.

Deshalb gibt es von mir 6 von 10 Punkten.

Ein spannender Einstieg, der Erwartungen weckt

Der Klappentext klingt erst einmal richtig vielversprechend. Chiemsee. Mysteriöse Todesfälle. Ein Kommissar, der eigentlich nur Urlaub machen will. Ein dunkles Geheimnis in 74 Metern Tiefe. Ein Schatz aus Kriegszeiten. Und dann auch noch etwas, das möglicherweise nicht von dieser Welt ist.

Ganz ehrlich?

Das klingt nach einem spannenden Mix. Und genau deshalb habe ich mich auf dieses Buch gefreut.

Das Problem: Es ist weder Fisch noch Fleisch

Mein größter Kritikpunkt ist relativ einfach erklärt: Das Buch entscheidet sich nie wirklich, was es sein möchte.

Wer einen klassischen Krimi erwartet, dürfte enttäuscht werden. Ja, es gibt Tote. Sogar mehrere. Aber eine klassische Kriminalgeschichte mit sauberer Ermittlungsarbeit und einer echten Auflösung? Nicht wirklich.

Die Geschichte driftet irgendwann immer stärker in Science-Fiction-Gefilde ab. Oder vielleicht doch nicht? Denn selbst das bleibt seltsam uneindeutig.

Und genau das ist das Problem. Wenn ich einen Krimi lese, möchte ich einen Krimi bekommen. Wenn ich Science Fiction lese, dann darf die Geschichte auch voll in diese Richtung gehen.

Aber dieses ständige Dazwischen sorgt eher für Verwirrung als für Spannung.

Zu viele Umwege, zu viele Nebengeschichten

Ein weiterer Punkt, der mir leider negativ aufgefallen ist: Das Buch wirkt stellenweise künstlich aufgebläht.

Nicht falsch verstehen – ich habe nichts gegen ausführliche Geschichten. Wenn jede Szene etwas beiträgt, sehr gerne. Aber hier hatte ich oft das Gefühl, dass Episoden, Nebenhandlungen und wiederkehrende Elemente eher dazu da sind, Seitenzahl zu erzeugen als die Geschichte voranzubringen.

Bestes Beispiel?

Das Eichhörnchen vom Cover (Rückseite). Ja, es taucht mehrfach auf. Aber eher wie ein Running Gag, der Länge erzeugt, statt echten Mehrwert zu liefern.

Ironische Selbstkritik oder unfreiwillige Pointe?

Besonders interessant fand ich eine Passage im Buch, die mich ehrlich gesagt schmunzeln ließ.

Auf Seite 178 heißt es:

„Ich sage mal so“, hob der Andere schließlich an, „für Autoren wie mich, mit guten Umsatzzahlen, mag das so sein, dass es sich tatsächlich lohnt. Für die gesichtslose Masse der am Ende sogar noch selbst verlegenden Kollegen aber verhält es sich oftmals so, dass der Aufwand in keinem, wirklich überhaupt keinem Verhältnis zum Ertrag steht.“

Und ja…

Da ist definitiv Wahrheit drin.

Gerade für Selfpublisher oder Autoren ohne große Reichweite ist das eine ziemlich ehrliche Aussage.

Aber gleichzeitig musste ich mir beim Lesen denken:

War das jetzt eine bewusste Selbstreflexion?

Denn ausgerechnet ein Buch, das sich über künstlich aufgeblähte Geschichten lustig macht – insbesondere mit Seitenhieben auf Genres wie Romantasy oder Young Adult Romance – wirkt stellenweise selbst genau so.

Das hat schon fast etwas unfreiwillig Ironisches.

Was mir dennoch gefallen hat

Bei aller Kritik:

Das Buch hat durchaus interessante Ideen.

Die Grundidee rund um den Chiemsee, historische Geheimnisse und die mysteriöse Tiefe funktioniert. Einige Momente erzeugen echte Neugier. Und der Gedanke, Realität und Fiktion bewusst verschwimmen zu lassen, kann durchaus funktionieren. Nur hätte es dafür aus meiner Sicht eine klarere Linie gebraucht.

Außerdem:

Es ist schön zu sehen, dass Autor Reiner Jansen einen Verlag gefunden hat, der seine Geschichte veröffentlicht und vermarktet. Gerade in einer Zeit, in der viele Autoren enorme Arbeit investieren und am Ende kaum etwas davon zurückbekommen, ist das keineswegs selbstverständlich.

Meine Bewertung: 6 von 10 Punkten

Warum nur 6 Punkte?

Weil ich das Buch nicht schlecht finde. Aber eben auch nicht wirklich überzeugend.

  • Es hat gute Ideen.
  • Es hat interessante Ansätze.
  • Es hat einzelne starke Gedanken.

Aber als Gesamtwerk fehlt mir die klare Richtung.

Wer einen Krimi erwartet, wird nicht wirklich belohnt. Wer eine Science-Fiction-Geschichte erwartet, ebenfalls nicht so richtig. Und genau deshalb bleibt es für mich irgendwo im Mittelfeld hängen.

Fazit

„Chiemsee-Gold oder Die Grube der unschuldigen Kinder“ ist ein Buch mit interessanten Ideen, das sich leider nicht konsequent für eine Richtung entscheidet.

Krimi-Fans könnten sich fragen, wo die eigentliche Auflösung bleibt.

Science-Fiction-Leser, wann die Geschichte endlich wirklich abhebt.

Und genau zwischen diesen beiden Welten verliert das Buch für mich an Kraft.

Kein Totalausfall.

Aber eben auch kein Titel, den ich uneingeschränkt empfehlen würde.

6 von 10 Punkten – mit der Hoffnung, dass das nächste Buch des Autors fokussierter wird.


Ein herzliches Dankeschön an den edition tingeltangel Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars von „Chiemsee-Gold oder Die Grube der unschuldigen Kinder“. Ich weiß es sehr zu schätzen, Bücher auf diesem Weg entdecken und lesen zu dürfen. Wie immer gilt selbstverständlich: Die Bereitstellung des Rezensionsexemplars hat meine ehrliche Meinung und Bewertung in keiner Weise beeinflusst. Meine Rezension spiegelt ausschließlich meinen persönlichen Leseindruck wider.

Schaue dir auch folgende Rezensionen an:

Léon und die Frau im blauen Kleid – Krimi zwischen Côte d’Azur, Luxus und einem etwas dünnen Mordfall

Apnoe – Wenn Isolation zur Gefahr wird

Liars all around me – Wenn die Wahrheit zwischen Lügen verloren geht

Interessiert euch das Buch? Dann schaut doch mal auf Amazon vorbei.*

*Siehe Impressum/Datenschutz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Published inBlog - Meine Buchempfehlungen
[links]

Wir nutzen Cookies, um unsere Webseite nutzerfreundlicher zu gestalten. Einige Cookies bleiben auf Ihrem Endgerät gespeichert, bis Sie diese löschen. Sie ermöglichen es uns, Ihren Browser beim nächsten Besuch wiederzuerkennen. Wenn Sie dies nicht wünschen, so können Sie Ihren Browser so einrichten, dass er Sie über das Setzen von Cookies informiert und Sie dies nur im Einzelfall erlauben. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen