7 Personen. 3 Schüsse. 1 Leiche.
Klingt nach einem Setup, das eigentlich kaum schiefgehen kann. Zumal der Roman aus der Feder von Alex Michaelides stammt – also genau dem Autor, der mit Die stumme Patientin viele Leserinnen und Leser begeistert hat.
Und ja: Spannung kann er. Aber diesmal hat es für mich nur 5 von 10 Punkten gereicht.
Worum geht’s?
Erzählt wird die Geschichte von Elliot Chase, einem selbstbewussten (und ziemlich von sich überzeugten) Erzähler, der uns direkt anspricht und verspricht, eine Geschichte zu erzählen, „wie wir sie noch nie gehört haben“. Mord oder Liebesgeschichte? Vielleicht beides.
Schauplatz ist eine griechische Privatinsel, auf der die berühmte Ex-Hollywood-Diva Lana Farrar jedes Jahr Ostern verbringt. Eingeladen sind ein kleiner, exklusiver Kreis aus Freunden und Vertrauten – insgesamt sieben Personen. Als ein gewaltiger Sturm, von den Griechen „Der Zorn“ genannt, die Insel von der Außenwelt abschneidet, kippt die vermeintliche Luxus-Auszeit. Irgendwann fallen Schüsse. Und jemand stirbt.
Was funktioniert gut?
Ganz klar:
- Die Atmosphäre. Die abgeschottete Insel, das Unwetter, die latente Bedrohung – das hat was.
- Die Twists. Michaelides liebt es, Erwartungen zu brechen, und das merkt man.
- Die Erzählidee, mit unzuverlässigen Rückblenden zu arbeiten, die später als unwahr entlarvt werden, ist clever und gibt dem Ganzen überhaupt erst Romanlänge.
Und was hat mich gestört?
Leider einiges.
Die Geschichte fühlt sich für mich über weite Strecken an wie eine Kurzgeschichte, die künstlich aufgeblasen wurde. Die vielen Rückblenden wirken weniger wie organische Vertiefungen, sondern eher wie Platzhalter, um Seiten zu füllen.
Dazu kommen:
- Langatmige Charaktervorstellungen, die stellenweise mehr Geduld erfordern als mir lieb war.
- Beziehungsdramen und Liebeleien, die sich durch das ganze Buch ziehen – persönlich einfach nicht mein Geschmack.
- Ein Erzähler, der sehr präsent ist, aber nicht immer sympathisch oder spannend genug, um diese Präsenz zu rechtfertigen.
Die verwendeten Fremdwörter halten sich zwar in Grenzen, wirken aber manchmal unnötig aufgesetzt. Nichts, was man nicht schnell nachschlagen könnte – aber eben auch nichts, was der Geschichte wirklich Mehrwert bringt.
Cover & Titel
Das Cover hat mich ehrlich gesagt gar nicht abgeholt. Es transportiert für mich nicht das, was einen inhaltlich erwartet – weder die psychologische Ebene noch die düstere Insel-Atmosphäre.
Der Titel hingegen ergibt erst ganz am Ende wirklich Sinn. Dort gibt es noch einmal eine ordentliche Kehrtwende, die die Geschichte abschließt und vieles neu einordnet. Das ist clever gemacht – kommt aber sehr spät.
Mein Fazit
Die Insel des Zorns ist kein schlechtes Buch. Wer verschachtelte Erzählweisen, psychologische Spielchen und überraschende Wendungen liebt, kann hier definitiv Spaß haben.
Für mich persönlich war es jedoch:
- zu gestreckt
- zu beziehungsfokussiert
- und emotional zu wenig packend
Bewertung: 5 von 10 Punkten.
Solide Unterhaltung mit guten Ideen, aber deutlich unter dem, was ich mir nach Die stumme Patientin erhofft hatte.
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